Fachforum Visuare 2025

Wie können neue Technologien und künstliche Intelligenz (KI) blinden und sehbeeinträchtigten Menschen mehr Selbstständigkeit ermöglichen? Welche Chancen eröffnen sie und wo stossen sie an ihre Grenzen? Genau diesen Fragen widmeten wir uns am Fachforum Visuare 2025. Unser Ziel war es, gemeinsam Wege zu entdecken, die den Alltag von Menschen mit visueller Beeinträchtigung erleichtern.

Der Stand von accesstech am Visuare 2025.

Fachforum Visuare 2025: KI und neue Technologien bei visueller Beeinträchtigung

Neue Technologien als Chance für mehr Selbstständigkeit

Dank moderner Technologien und KI eröffnen sich für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen neue Möglichkeiten, ihren Alltag selbstständig zu meistern. So kann eine smarte Brille beispielsweise Texte vorlesen, Personen erkennen oder Hindernisse melden. Dadurch gewinnen Menschen mit Sehbeeinträchtigung an Sicherheit und Selbstständigkeit.

Am 19. November 2025 trafen sich rund 40 Fachpersonen aus den Bereichen Optik, Rehabilitation und dem Blindenwesen im Blinden- und Behindertenzentrum Bern zum Fachforum «Visuare 2025». Das zentrale Thema: welche Möglichkeiten KI und neue Technologien für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen mit sich bringen. Dabei wurden die Chancen neuer Technologien aufgezeigt, aber auch die Grenzen.

Video vom Event

Ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der Inspiration

Zum Auftakt des Forums gaben Lorenz Kühni vom EPA und Luciano Butera vom SBV Einblicke, wie KI den Alltag von Menschen mit visueller Beeinträchtigung bereits heute prägt und in welche Richtung die Entwicklung geht. Sie zeigten anhand konkreter Anwendungen, wie digitale Assistenzen Orientierung, Kommunikation und Selbstständigkeit unterstützen können. Danach wurden vier verschiedene Produkte vorgestellt, die mittels integrierter KI Unterstützung für Menschen mit visueller Beeinträchtigung bieten können.

Ein weiterer Programmpunkt des Forums war der Workshop „Perspektivenwechsel“. Teilnehmende erfuhren, wie es ist, sich ohne visuelle Informationen zu orientieren. Zum Beispiel, indem sie mit Dunkelbrille und einem Langstock im Quartier an Leitlinien entlangliefen. Mathias Guler, Bereichsleiter Rehabilitation im B, vermittelte im 90-minütigen Workshop die wichtigsten Elemente in den Bereichen Umweltwahrnehmung, Kommunikation und Hilfsmittel.

«Visuare bietet die Möglichkeit für Fachpersonen aus verschiedenen Bereichen zusammen zu finden, sich auszutauschen, Ideen zu teilen und neue Perspektiven zu gewinnen.»

– Stephan Mörker, SZ Blind.

Impressionen vom Event

Technologien zum Anfassen. Vorgestellt am Event.

In der Ausstellung konnten Teilnehmende hautnah erleben, was moderne Technologien und KI heute schon leisten. Vier Hilfsmittel wurden vorgestellt:

Schaufensterpuppe mit Biped.

NOA von Biped

Eine intelligente Navigationsweste mit 3D-Kameras und Audio-Feedback, die beim sicheren Navigieren unterstützt.

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Hand mit SmartCane2

Smart Cane 2 von WeWalk

Ein smarter Blindenstock mit Ultraschallsensoren und Sprachsteuerung, der Hindernisse früh erkennt.

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Smarte Brille Envision

Envision Glasses

Ein leichtes Clip-on für jede Brille, das visuelle Informationen erkennt und direkt in Sprache übersetzt.

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Hände die das Gerät VoxiVision nutzt um Text vorlesen zu lassen

VoxiVision

Ein mobiles Vorlesegerät mit KI, das Texte in über 20 Sprachen erfassen und wiedergeben kann.

Mehr zu VoxiVision

Die Teilnehmenden erfuhren, wie viel Technologie heute schon möglich macht und wohin die Reise gehen könnte.

Mit den Partnern SZBlind (Schweizerischer Zentralverein für das Blindenwesen) und
Accesstech vernetzt sich das B, um Wissen zu teilen und neue Lösungen zugänglich zu
machen.

«Unser Ziel ist es, den Puls der technologischen Weiterentwicklungen regelmässig zu fühlen, damit unsere Klientinnen und Klienten in der Beratung früh und bestmöglich davon profitieren können.»

– Mathias Guler, Stv. Leiter Beraten B.

Fazit: Das war das Fachforum Visuare 2025

Das Fachforum Visuare 2025 hat deutlich gemacht, wie viel möglich wird, wenn Menschen gemeinsam an Lösungen für Menschen mit visueller Beeinträchtigung arbeiten. Besonders beeindruckend war, wie neue Technologien deren Selbstständigkeit stärken können – so etwa die Navigationsweste von Biped, die mittels 3D-Kameras und KI Hindernisse erkennt und Nutzer:innen per Audio-Feedback sicher durch unbekannte Umgebungen führt.

Die offenen Gespräche und die gemeinsamen Aha-Momente haben diesen Tag besonders gemacht. Die Teilnehmenden gingen mit frischen Impulsen und dem Gefühl nach Hause, Teil einer Entwicklung zu sein, die das Leben vieler Menschen verbessern kann.

– Luis Bafetti von accesstech, der die Envision Glasses und VoxiVision vorgestellt hat

Das Forum hat gezeigt, wie viel Potenzial in moderner Technologie steckt. Gerade bei den Technologien von Biped, WeWalk, Envision Glasses und VoxiVision. Die Energie dieses Tages wirkt nach. Wir sind motiviert, weiterhin Brücken zwischen Technologie, Praxis und den Bedürfnissen der Menschen mit visueller Beeinträchtigung zu bauen.

Herzlichen Dank an Luciano Butera und Lorenz Kühni für die spannenden Impulsreferate. Ebenfalls ein grosses Dankeschön für das Engagement und Interesse geht an die Aussteller:innen sowie an alle Teilnehmer:innen.

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